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Gerhard Fiand, Vorsitzender des Vorstandes der LzO, zusammen mit Hans-Ulrich Jörges.

Hans-Ulrich Jörges

Jörges wurde 1951 in Bad Salzungen in Thüringen geboren und lebte bis 1957 in der DDR. Er zog als Sechsjähriger mit seiner Familie nach Westdeutschland um und wuchs in Frankfurt am Main auf.  

1977 wurde er stellvertretender Leiter des Inlandsresorts der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn, von 1979 bis 1981 leitete er das Berliner Büro, anschließend das in München. 1985 machte er einen ersten kurzen Stopp im Bonner Büro des Stern, bevor er 1986 zur Süddeutschen Zeitung ging. 1989 wurde er beim Stern Ressortleiter Politik, 1990 stellvertretender Chefredakteur. 

1992 wechselte er als Ressortleiter Politik in die Entwicklungsredaktion der im Aufbau befindlichen neuen Wochenzeitung Die Woche, wo er später auch Chefredakteur war. 

Zum Stern kehrte er 2002 als Leiter des Hauptstadtbüros in Berlin zurück. Bis 2017 war er Mitglied der Chefredaktion des Stern und Chefredakteur für Sonderaufgaben des Verlages Gruner+Jahr. In seiner Stern-Kolumne „Zwischenruf“ kommentiert er nach wie vor das politische Geschehen in Deutschland.

LzO-Blickpunkte

Die Reihe „LzO-Blickpunkte“ behandelt seit 2006 interessante Themen aus Wissenschaft, Politik, Kultur oder Sport. Namhafte Redner wie Richard David Precht, Clemens Fuest, Tom Buhrow, Ulrich Wickert oder zuletzt Antonia Rados zeigten interessante Zusammenhänge auf und gaben immer wieder neue Denkanstöße zu aktuellen Themen.

Hans-Ulrich Jörges zu Gast bei den „LzO-Blickpunkten“

  • 400 Gäste hören klare Worte zur politischen Situation
  • Beginn des Endes der Ära Merkel
  • Wiederwahl von Trump möglich
  • Brexit ist noch keine ausgemachte Sache

„Er weiß, wovon er spricht. Wie kein anderer verbindet er Sachkenntnis mit dem Gespür und mit der Leidenschaft für politische Themen.“ Mit diesen Worten kündigte Gerhard Fiand, Vorsitzender des Vorstandes der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), Hans-Ulrich Jörges an. Der Journalist und Kolumnist war zu Gast in der seit 2006 durchgeführten Veranstaltungsreihe „LzO-Blickpunkte“ und gab sehr klare Antworten auf drängende Fragen der politischen Situation in Deutschland, Europa und der Welt.

 

Zahlreiche politische Themen gönnen keine Nachrichtenpause

Gerhard Fiand wies in seiner Begrüßung der rund 400 Gäste darauf hin, dass einer Studie zufolge den Menschen in Deutschland gegenwärtig die Politik von Donald Trump die größte Angst bereiten würde. Zahlreiche weitere politische Themen würden derzeit die Medienlandschaft bestimmen und den Menschen keine Nachrichtenpause gönnen. Von daher sei es zu begrüßen, eine professionelle Einordnung der vielen Themen durch einen erfahrenen Publizisten zu erfahren. Wegen der sehr schnellen Auslastung der Veranstaltung schon bald nach der Ankündigung spreche vieles dafür, dass die LzO-Kunden eine solche Einordnung wünschen. 

 

Beginn des Endes der Ära Merkel

Die kurz vor der Veranstaltung bekannt gewordene Abwahl des CDU/CSU-Fraktionschefs Volker Kauder bezeichnete Jörges als den Beginn des Endes der Ära Merkel. Nach seinen Worten gehört sie nicht mehr an die Spitze der Regierung, weil sie nicht mehr führt und erschöpft ist. Die Abstimmung über den Fraktionsvorsitz hat sich nicht gegen Kauder gerichtet, sondern gegen Angela Merkel. Ihr Machtverfall wird sich von nun an dramatisch beschleunigen. Die kommenden Wahlen in Bayern, Hessen, Europa und die Abstimmung über den künftigen Parteivorsitz der CDU werden bis weit in das Jahr 2019 hinein zeigen, wie rasant die Dinge sich ändern werden. Deutschland wird sich ungefähr ein Jahr lang mit sich selbst beschäftigen und kann auf die Entwicklungen im Ausland weniger Einfluss nehmen.

 

Signifikanter Umbruch in der deutschen Politik

Jörges sieht einen signifikanten Umbruch auf die deutsche Politik zukommen, bei dem am Ende möglicherweise alle drei Regierungs-Parteien neue Parteivorsitzende haben werden. Bei dem zu erwartenden Bruch der jetzigen GroKo muss es nicht zwangsläufig zu Neuwahlen kommen; auch eine sog. „Jamaika-Koalition“ ist möglich, aber nur ohne Angela Merkel. Die SPD verliert ihre Rolle als große Volkspartei. In jedem Fall wird die Parteienlandschaft in den Parlamenten vielfältiger. Da kann es auch zu Koalitionen kommen, die bislang noch kaum für möglich gehalten werden. 

 

Es fehlen Antworten auf die Probleme Wohnungsbau, Heimat und Integration.

Von den Themen, die die Menschen bewegen, ist für Jörges das Thema „Heimat“ besonders wichtig. Auch außerhalb der Ballungszentren wollen die Bürgerinnen und Bürger gute, sichere Lebens- und Arbeitsbedingungen haben. Ist dies nicht der Fall, wenden sie sich von der Politik ab und es kommt zu einer weiteren Zersplitterung der Gesellschaft. Zum Thema „Integration“ hält er ein eigenständiges Integrationsministerium für sinnvoll, das die Aktivitäten koordiniert und die Öffentlichkeit regelmäßig darüber informiert, wie der Stand der Dinge bei den vielen Fragen zu diesem Thema ist. 

 

Auslandsthemen

Wiederwahl von Trump möglich

Hans-Ulrich Jörges hält eine zweite Amtszeit des amtierenden amerikanischen Präsidenten für durchaus möglich. Er habe, wie er es im Wahlkampf vor gut zwei Jahren versprochen hat, mit seinen einseitigen Maßnahmen die Steuern gesenkt und die Einfuhrzölle erhöht. Die Wirtschaft floriert und politische Misserfolge scheinen ihm nicht zu schaden. Zudem sieht Jörges momentan keinen Kandidaten der Demokraten, der Trump ernsthaft herausfordern könne.

 

Brexit ist noch nicht ausgemacht

Jörges wies darauf hin, dass die Debatte um den nahenden Brexit in Großbritannien nicht abreißt. Stimmen, wie die des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan und aus Gewerkschaftskreisen, werden lauter und drängen auf ein neues Referendum. Die Zustimmung im Parlament für das Verhandlungsergebnis zwischen der EU und Großbritannien ist keinesfalls sicher. Von daher ist der Brexit noch keine ausgemachte Sache.

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